Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman by Richard P. Feynman

Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman by Richard P. Feynman

Author:Richard P. Feynman [Feynman, Richard P.]
Language: deu
Format: epub
Publisher: Piper
Published: 2012-10-03T22:00:00+00:00


Ich will meinen Dollar!

Von Cornell aus fuhr ich oft zu Besuch heim nach Far Rockaway. Einmal, als ich zu Hause war, bekam ich einen Anruf: ein FERNGESPRÄCH aus Kalifornien. Ein Ferngespräch bedeutete damals, daß es sich um etwas sehr Wichtiges handeln mußte, besonders wenn es ein Ferngespräch aus dem eine Million Meilen entfernten fabelhaften Kalifornien war.

Der Mensch am anderen Ende fragt: »Spreche ich mit Professor Feynman von der Cornell University?«

»Ja, der bin ich.«

»Hier ist Mr. Soundso von der und der Flugzeugfirma.«

Es war eine der großen Flugzeugfirmen in Kalifornien, aber leider weiß ich nicht mehr, welche. Der Mensch fährt fort: »Wir haben die Absicht, ein Laboratorium für atomgetriebene Raketenflugzeuge einzurichten. Das jährliche Budget wird sich auf soundso viele Millionen Dollar belaufen ...« Riesenzahlen.

Ich sagte: »Einen Moment, Sir; ich weiß nicht, warum Sie mir das alles erzählen.«

»Lassen Sie mich nur zu Ihnen sprechen«, sagt er, »lassen Sie mich nur alles erklären. Bitte, lassen Sie mich das auf meine Weise tun.« Er redet also ein bißchen weiter, sagt, wie viele Leute in dem Labor arbeiten werden, soundso viele Leute auf dieser Ebene und soundso viele Doktoren auf jener Ebene ...

»Verzeihen Sie, Sir«, sage ich, »aber ich glaube, Sie haben den falschen Mann am Telephon.«

»Ich spreche doch mit Richard Feynman, Richard P. Feynman?«

»Schon, aber Sie ...«

»Würden Sie mich Ihnen bitte unterbreiten lassen, was ich zu sagen habe, Sir, und dann besprechen wir es.«

»Na gut!« Ich setze mich hin und schließe die Augen, um mir diesen ganzen Kram anzuhören, all diese Einzelheiten über dieses große Projekt, und ich habe immer noch nicht die leiseste Ahnung, warum er mir diese ganzen Informationen gibt.

Als er schließlich fertig ist, sagt er: »Ich berichte Ihnen von unseren Plänen, weil wir wissen wollen, ob Sie Direktor des Laboratoriums werden möchten.«

»Sprechen Sie wirklich mit dem richtigen Mann?« frage ich. »Ich bin Professor für Theoretische Physik. Ich bin weder Raketenkonstrukteur noch Flugzeugkonstrukteur oder so etwas Ähnliches.«

»Wir sind sicher, daß wir den richtigen Mann haben.«

»Woher haben Sie denn meinen Namen? Wieso kamen Sie auf die Idee, mich anzurufen?«

»Sir, Ihr Name steht auf dem Patent für Raketenflugzeuge mit Atomantrieb.«

»Oh«, sagte ich, und mir wurde klar, warum mein Name auf dem Patent stand, und die Geschichte will ich jetzt erzählen. Dem Mann sagte ich: »Es tut mir leid, aber ich bleibe lieber Professor an der Cornell University.«

Es war folgendes passiert: Während des Krieges gab es in Los Alamos einen netten Kerl namens Hauptmann Smith, der das Patentbüro für die Regierung unter sich hatte. Smith schickte jedem eine Mitteilung, in der ungefähr folgendes stand: »Das Patentbüro möchte jede Idee patentieren, die Sie für die Regierung der Vereinigten Staaten, für die Sie jetzt arbeiten, entwickeln. Jede Idee zur Kernenergie und ihrer Anwendung, die Sie für allgemein bekannt halten, ist keineswegs allgemein bekannt: Kommen Sie einfach in mein Büro und teilen Sie mir die Idee mit.«

Ich treffe Smith beim Mittagessen, und als wir zur technischen Abteilung zurückgehen, sage ich zu ihm: »Diese Mitteilung, die Sie rumgeschickt haben: Das ist doch irgendwie verrückt, daß wir zu Ihnen reinkommen und Ihnen jede Idee mitteilen sollen.



Download



Copyright Disclaimer:
This site does not store any files on its server. We only index and link to content provided by other sites. Please contact the content providers to delete copyright contents if any and email us, we'll remove relevant links or contents immediately.